Am 4. September 2025 berichtet der March Anzeiger in seiner Sommerserie über Lena Baumann.
Link zum Bericht: https://marchanzeiger-che.newsmemory.com/?publink=0f2075fb5_134fb3c
Lena Baumann ist Biathletin und Langläuferin. In der warmen Jahreszeit erarbeitet sie sich die Grundlagen für den Winter. Kondition, Kraft, Technik. Das 19-jährige Talent konnte gute Fortschritte machen. Sie arbeitet hart. Ihr Ziel ist klar: Profisportlerin. Auch den Weg dorthin kennt sie: Training, Training, Training. (red) Michel Wassner
Ein Treffen mit Biathletin und Langläuferin Lena Baumann in Bennau. Dort wohnt sie. Und dort scheint die Sonne. Schnee und winterliche Temperaturen: weit entfernt. Die 19-Jährige ist im C-Kader von Swiss-Ski, im Skiclub Einsiedeln und zusätzlich im Förderverein von Pro Nordic mit Sitz in Lachen. Ihr Sommer: streng. Erste Trainingslager hat sie schon hinter sich – Swiss Team, C-Ka-der. Ein paar Tage Tessin durften auch sein. Einfach ausspannen.
Biathlon ist ein Wintersport, auf den man sich im Sommer gut vorbereiten kann. «Viel Joggen, Rollski – skating und klassisch, Velo und schiessen.» Im Trainingslager mit Schiessstand und Rollskibahn kann man das Wintertraining sehr gut simulieren. «Es ist wie im Winter, einfach auf Rollski statt auf Ski.» Das sei zwar anders, aber vergleichbar.
Schiessen ohne Frost
Was beim Schiessen im Sommer fehlt: die Minustemperaturen. «In der Kälte kann dein Finger einfrieren. Du spürst den Druckpunkt nicht gut.» Sonst gebe es kaum einen Unterschied. Das Schiesstraining findet zu 99 Prozent im Freien statt, damit es auch Wind hat. Im Frühling schiessen die Biathleten auch in der Schiesshalle. Grundlagentraining. «Dann ist es wie bei den Schützen, aber nur liegend und stehend. Ausserdem haben wir Lasertraining, das man im Haus machen kann. Das ist ziemlich exakt.» So kann Baumann Gefühl und Bewegungsabläufe trainieren, ohne dass ein Schuss fällt.
Mit dem Sommer ist sie zufrieden. «Ich konnte in der Technik einige Fortschritte machen. Und auch im Schiessen habe ich gute Inputs bekommen.» Daran, in der Hitze für den Schnee zu trainieren, könne man sich gewöhnen. «Ich versuche, in der Früh zu trainieren. Oder dann später am Abend. Aber es ist schon hart bei hohen Temperaturen. Der Puls ist höher und es braucht mehr Energie.» Beim Swiss-Ski Nordic Weekend Ende August in Andermatt zeigte sie bereits starke Leistungen. Auf dem Programm standen Berglauf, Langlaufund Biathlon-Rennen.
Schwer zu toppen
Die Saison 2024/25: für Lena Baumann sehr erfolgreich. 12. Rang an der Biathlon- EM der Juniorinnen in Altenberg (U21). 5. Rang an der Jugend-WM in Biathlon Sprint- und Massenstart. 1. Rang im Biathlon beim SM-Sprint in der Kategorie Jugend (2006 als ältester Jahrgang). «Beim Sprint wäre ich aber auch bei den grossen (Frauen) zweite geworden hinter Elisa Gasparin», ergänzt die Sportlerin stolz. Bei der SM im Massenstart wurde sie Vize-Schweizermeisterin, ebenfalls in der Kategorie Jugend. Beim Langlauf siegte sie in der Kategorie Frauen U20. Das ist Erfolg.
Ambitionierte Ziele
Erst Anfang Oktober hat Baumann wieder Schnee unter den Füssen. Da geht sie nach Oberhof, Thüringen, in die Skihalle. Mit dem Team von Swiss Ski. In der Nähe wohnen ihre Grosseltern. Da gibt es aber keinen Zusammenhang. Bis dann sieht die 19-Jährige also keinen Schnee. Denn Gletschertraining sei zwar auch im Biathlon und Langlauf möglich, aber meistens mache das nur die Elite.
Wer so viel Arbeit, Energie und Kraft investiert, muss wissen wofür. Es braucht Ziele. Die letzte Saison ist schwer zu toppen. Also? «Top 6 im Junior- Cup. Da sind Jahrgang 2005, der älter ist als ich und jüngere. Top 15 an der Junioren-WM wäre auch cool.» Das sind die Basisziele. Alles andere: nach oben offen. Die Saison startet Ende November in der Lenzerheide mit Selektionswettkämpfen. Dort wird entschieden, wer an welche Wettkämpfe gehen darf. Insgesamt eine sehr lange Vorbereitung, bevor es endlich losgeht. Wird man nicht irgendwann ungeduldig? Baumann lacht. «Ja, ich bin dann schon froh, wenn die ersten Rennen kommen. Dann siehst du, wo du stehst. Wie gut du geworden bist. Oder wie schlecht.»
Kleine und grosse Schritte
Läuft bei der Biathletin alles nach Plan, wäre der nächste Schritt, dieses oder nächstes Jahr in den IBU-Cup zu kommen, quasi den B-Weltcup. Das nächste Ziel: in drei bis fünf Jahren der Welt-cup. Die Olympischen Spiele im 2026 sind für Baumann derweil noch kein Thema. 2030 oder 2034 sind da schon eher realistisch. Sie lacht. «Es ist ein Traum, aber ich denke nicht jeden Tag daran. Ich fokussiere jetzt auf die nächsten, kleinen Schritte, damit ich später die grossen Schritte machen kann.» Weil Biathlon und Langlauf zwei verschiedene Verbände sind (IBU und FIS), die sich bezüglich Rennen und Terminen nicht koordinieren, wird sich Baumann irgendwann zwischen den beiden Disziplinen entscheiden müssen.
«Der Biathlon- und der Langlauf-Ka-lender schneiden sich oft. Deshalb ist es schwierig, beide Sportarten auszuüben. Darum habe ich mich auf Biathlon fokussiert. Da bin ich auch im Kader. Aber ich gehe nach wie vor sehr gerne Langlaufen.»
Zukunft – sportlich und beruflich
Lena Baumann widmet ihr Leben neben der Schule grossteils dem Sport. Er ist das, wofür sie brennt. «Ich finde es manchmal krass, dass ich immer sehr gerne trainieren gehe. Ich habe eben meine Ziele im Kopf. Das motiviert mich.» Ein Jahr hat Baumann noch bis zur Matura. Und danach? «Das Ziel ist Profisportlerin. » Einen Plan B gibts nichtwirklich. Vielleicht ein Teilzeitstudium nebenbei. «Oder irgendwo arbeiten, aber da ist noch nichts konkret.» Leben kann man von dem Sport auch auf Profiniveau kaum. «Es gibt aber Möglichkeiten beim Militär oder Zoll und da bin ich in der Auswahl.» Bis dahin ist der Fokus klar: immer das nächste Training, das nächste Rennen.
In der Serie «Schneegestöber im Sommer» sprechen wir mit Wintersportlerinnen und Wintersportlern aus der Region. Lena Baumann ist 19 Jahre alt und ein grosses Biathlon-Talent. Den Sommer nutzt sie für umfassendes Training und ein bisschen Erholung. Ein Treffen.
